Presse Tischtennis
Münchner Merkur
Die Rechnung geht auf
TSV Hofolding investiert qualitativ in Tischtennis und zieht damit Talente aus der Region an
Johannes Wutte wechselt beliebig zwischen wuchtig-effetstarkem Vorhand-Topspin und filigranem Rückhandschlenzer, jagt seinen Gegner erst über dessen linke Verteidigungssseite der Platte per Longline-Hammer in die Tiefen des Raums, ehe er mit einem gefühlvollen Stop die orange Zelluloidkugel kurz hinter der Netzkante "parkt" und den Ballwechsel abrupt beendet. Der 14-jährige Jung-Crack in Sachen Tischtennis ist eine der größten Nachwuchshoffnungen des TSV Hofolding.
Beim arrivierten Dorfverein nimmt die kontinuierliche Nachwuchsarbeit immer breiteren Raum ein. Seitdem die engagierten Junioren-Coaches Daniela und Florian Pitz sowie Manuel Meyer vor einem Jahr ein neues Jugendkonzept haben, steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Nachwuchsbereich kräftig an. Sogar aus München oder Taufkirchen kommen Kids an den drei Trainingstagen in die fast schon zu kleine Trainingshalle an der Fichtenstraße 33.
"Die jungen Leute sehen hier einfach eine Perpektive für ihren Sport und kommen deshalb zu uns", erzählt Florian Pitz. Der Jugendcoach ist gleichzeitig auch die Nummer eins der Hofoldinger Herren, die heuer wieder in die Bezirksliga aufsteigen möchten. Mit seiner Fau Daniela und der zehnjährigen Tochter Magdalena bilden die "Pitzens" so etwas wie einen Familienbetrieb im Verein und leben nur unweit der Trainingsstätte in Hofolding.
"Überhaupt geht es hier sehr familär zu", erzählt Daniela Pitz. "Bei uns sind gerade auch im Nachwuchsbereich alle Tischtennisbegeisterten willkommen - hier finden angehende Leistungssportler wie der Johannes Wutte ebenso Raum zum wie eher breitensportlich Aktive." Auch die Integration von Menschen mit Beeinträchtigung sei in Hofolding "selbstverständlich".
Der Beusch an einem, ganz normalen Trainingsmittwoch, offenbart die gute Stimmung entlang der wie an einer Schnur aufgereihten Platten. Während die kleinen Kugeln bei den Ballwechseln fast schon melodiös klacken, sich junge Sportler voll ihrer Disziplin hingeben und Johannes einmal mehr einen Schmtterschlag knapp über die Netzkante platziert, haben Daniela und Florian Pitz etwas Zeit ihr Konzept näher zu erläutern. "Es trägt bisher echte Früchte", zeigen sich die beiden über die Entwicklung im Verein stolz.
Umfangreiches Trainer Konzept
Rund 70 Mitglieder hat die kleine, aber durchaus feine Tischtennis-Abteilung im TSV. Tendenz deutlich steigend. "Anfangs hatten wir ganze acht Kinder und Jugendliche in der Abteilung bereits heute sind es 34 im Alter zwischen sieben und 14 Jahren", erzählt Florian Pitz. Das ist eine durchaus gegenläufige Entwicklung zu den Problemen in manch anderen Vereinen, die im übermedialisierten Zeitalter von Computerspielen und Dauer-iPod-Einsatz der Kids über steten Nachwuchsmangel klagen.
Ganz anders in Hofolding: Fast schon Buchstärke hat das umfangreiche Konzeptwerk der drei Trainer. Mit dem ehemaligem Bundesligaspieler Alexander Yahmed hat der TSV zudem einen arrivierten Coach hinzugewonnen der neben seinem Engagement als Coach der Bundesliga-Damen Schwabhausen auch beim TSV wichtige sportliche Anleitungen an der Platte vermittelt.
Man hat ehrgeizige Ziele im Hofoldinger Reich der Schmetterschläge und Ballonabwehren. Mittelfristig sollen erste Jugendmannschaft von Jungs und Mädchen jeweils in der 1. Bezirksliga an den Start gehen. Derzeit ist die erste Jugendmannschaft in der 2. Bezirksliga aktiv.
Die kleine Magdalena Pitz muss derzeit bei der gemischten dritten Nachwuchs-Mannschaft an den Start gehen. Die Zehntplatzierte der Bayerischen Meisterschaften hätte gern ein eigenes Mädchenteam am Start. "Wir wollen baldmöglichst 50 aktive Kinder und Jugendliche im Verein haben und die Jugendteams aufstocken", verrät Florian Pitz. Schließlich gelte es durch gezielte Nachwuchsarbeit auch neue Spieler für den Erwachsenenbereich zu etablieren und die Teams dort zu stärken.
20 Stunden pro Woche nur für den Sport
Auch bei den "Alten" sucht man eine eigene Frauenmannschaft noch vergebens. Daniela Pitz etwas aigert im ebenfalls gemischten dritten Team. "Ich habe erst vor dreieinhalb Jahren überhaupt mit dem Tischtennis begonnen und spiele heute immerhin schon in der 3. Kreisliga", zeigt sich die Mitt-Dreißigerin stolz. Die Gründe für das späte, aber umso energischere Engagement in Team und Betreuerstab sind bei ihr vielschichtig. "Da ist einmal der Reiz am Tischtennis an sich mit den hohen Anforderungen an Kondition und Konzentration, den vielen Schlagvariationen und dem manches Mal schon wissenschaftlichen Anspruch in diesem psychologisch-köperintensiven-köperintensiven Sport", fasst sie dessen Verzüge knackig zusammen. "Zudem wollte ich einfach auch mehr Zeit mit meinem Mann verbringen", schmunzelt die Versicherungsangestellte. Denn Gatte und Smartphone-Projektleiter Florian rechnet etwa 20 regelmäßige Wochenstunden an Trainingseinheiten, Ligaspielen, Fahrten und Besprechungen hoch. Nicht weit dahinter im Familienbetrieb Tischtennis rangiert Daniela mit "etwas zwölf Stunden" als Trainerin und "Frau für das Organisatorische".
Tochter Magdalena, im "Hauptberuf" Gymnasastin in Höhenkirchen, berschränkt sich derweil noch auf den Sport. Ihre Zöpfe wehen mächtig, als sie an diesem Abend mit Akribie den Ball und die eigene Trainingsparterin am anderen Ende der Platte bearbeitet und einen Spin-Schlag nach dem anderen über die Netzkante jagt. Schließlich soll der Einsatz im Training spätestens beim Bezirksranglisten-Turnier wieder belohnt werden. Ähnlich geht es Johannes Wutte einige Tischte weiter. Er schmettert gerade wieder, was das Zeug hält. Sein aktueller Übungsgegner hat da wenig zu lachen.
Doch jetzt ist Schluss mit lustig. Beim Abbau der Platten muss die gesamte Hofoldinger Tischtennis-Familie wieder zusammenhelfen. Schichtwechsel - jetzt steigt Damengymnastik, Tischtennis hat Pause. "Eine Mehrzweckhalle, wie von der Gemeinde angedacht, wäre schon toll", meint Daniela Pitz beim Hinausgehen. "Wir sind durchaus zufrieden und nicht allein auf der Welt. Aber mehr Trainingszeiten wären schon schön." Verständlich beim derart ambitionierten Tischtennis-TSV
(Harald Hettich)