Presse Tischtennis
Münchner Merkur
Fräuleinwunder an der Platte
Mädchen des TSV Hofolding steigen ungeschlagen in Bayernliga auf - Starkes Engagement der Eltern
Die listige Angabe von Magdalena Pitz kommt mit viel Schnitt daher, Linda Theiner returniert hart und direkt. Amelie Pilgrim antwortet mit einem Rückhand-Slice. Larissa Weich bringt die Filzkugel per elegantem Longline-Schlag zurück auf die andere Seite der Platte. Der Ballwechsel beim Trainingsmatch der Tischtennis-Mädchen des TSV Hofolding ist damit aber längst nicht beendet. Denn alle vier jungen Damen agieren sicher und wachen hoch konzentriert über jeden Millimeter entlang der Platte. Heute üben sie eigentlich nur. „Aber das tun die Mädels derart konzentriert, als wenn gerade ein Spieltag anstünde“, lobt Jugendleiterin Daniela Pitz. Das Fräuleinwunder im beschaulichen Sportdorf Hofolding treibt längst tolle Blüten. Bereits vier Spieltage vor Saisonschluss haben die Mädchen die Meisterschaft in der 1. Bezirksliga klar gemacht und damit den Aufstieg in die Bayernliga fixiert. Ein toller Erfolg. Zumal die Mädchen während der gesamten Spielzeit ungeschlagen blieben und sogar zehn Punkte vor den Lokalrivalinnen aus Helfendorf rangieren.
Von nichts kommt aber nichts. Das Training am Mittwoch in der eigentlich viel zu engen Hofoldinger Halle ist an vielen Tischen in vollem Gange. Die Trainerinnen und Trainer wuseln um die Aktiven herum, analysieren wie Danielas Ehemann Florian Pitz die Bewegungsabläufe und Schlagvarianten der Talente. Auch die Buben der TSV tummeln sich in der Halle. Sie sind bereits im vergangenen Jahr in der Bayernliga aufgestiegen. „Da ist es wichtig, dass heuer die Mädchen gleich nachgezogen haben“, sagt Daniela Pitz und lacht.
„Wir können uns auch durchaus mit den Jungs messen und schlagen auch mal welche an der Platte“, ergänzt eilig ihre Tochter Magdalena. „Die ziehen dann eine ganz schöne Fresse“, freuen sich Mutter und Tochter aus der mittlerweile sehr im heimischen Tischtennissport verankerten Familie Pitz. „Bei uns ist der Sport sogar am Abendbrot-Tisch nicht das Hauptthema“, beschreibt Magdalena das immense Engagement auch ihrer Eltern.
„Gutes Stichwort“, nimmt die Mutter dieses Zuspiel gerne auf. „Ohne die Eltern der Kinder und Jugendlichen und ihr Engagement ginge in einem breitensportlich orientierten Verein wie unserem gar nichts“, betont Daniela Pitz. „Fahrdienst, Betreuung, Seelenmassage und Brotzeitpakete“ nennt sie beispielhaft. Gatte Florian ist als Trainer fast täglich in der Halle.
Viel am Erfolg hier basiert auf Eigenleistung der Aktiven und in deren Umfeld. „Die Mädchen trainieren mindestens zweimal pro Woche, oft auch ein drittes Mal und dazu kommen die Spiele“, sagt Daniela Pitz.
Profi ist keine, kann man im Tischtennis auch nur schwer werden und gilt sowieso auch nicht als Wunsch der Akteurinnen. „Wir haben vor allem viel Spaß am Tischtennis“, lächelt Linda Theiner, die Jüngste der fünf zwölf bis 14-jährigen Mädchen. „Es ist vor allem so schön, im Team mit den Freundinnen zu spielen“, ergänzt Amelie Pilgrim. Alle sind neben dem Sport auch im Gymnasium stark eingespannt. „Und wir haben daneben noch viele Hobby“, sagt Amelie. Sie ist Höhenkirchen auch noch als Fußballerin aktiv, Magdalena spielt Gitarre und steht beim Taekwondo ihre Frau. Linda und Larissa spielen noch Querflöte. „Aber Tischtennis ist uns schon am wichtigsten“, unterstreicht Käpt’n und Nummer eins Magdalena – und die anderen nicken beifällig.
Eine Mitspielerin fehlt heute. Lucia Östergaard startet zeitgleich bei den südargentinischen Meisterschaften. „Die Lucia hat neben deutschen auch schwedische und argentinische Wurzeln“, erklären ihre Teamkolleginnen. Aber an der Meisterschaft hatte auch sie ihren Anteil.
Die jungen Sportlerinnen drängt es jetzt wieder an die Platte. Noch ist der fast zweistündige Trainingsabend nicht abgeschlossen. Ein paar lange Doppel-Ballwechsel sind schon noch drin. „Morgen trainieren wir auch wieder“, erklären die Vier noch schnell. Denn immer donnerstags kommt Alexander Yahmend ein Proficoach für die Nachwusch-Teams ins Tischtennis-Dorf Hofolding. Da wollen Magdalena, Linda, Larissa und Amelie unbedingt auch dabei sein. Schließlich wollen sie noch viel erreichen. „Erstmal peilen wir den sicheren Klassenerhalt in der Bayernliga an. Irgendwann wollen wir auch dort vorne mitmischen“, gibt das zukunftsträchtige Team mit Nachdruck zu verstehen. Dann flitzt die Kugel auch schon wieder über die Platte.
3 Fragen an Daniela Pitz
Tischtennis boomt beim TSV Hofolding. Wir sprachen mit Jugendleiterin Daniela Pitz.
Frau Pitz, die Tischtennisabteilung beim TSV entwickelt sich ja während der letzten Jahre prächtig. Wie erklären Sie sich die vielen Erfolge und Aufstiege in Serie?
Das ist in erster Linie das Ergebnis des umfangreichen Engagements der Trainer, Betreuer und Eltern. Wir haben vor einiger Zeit auch ein Jugendkonzept aufgestellt und versuchen die Arbeit hier systematisch zu betreiben. Zudem sind wir im Verein bestens integriert und werden mit unseren Ansprüchen auch wahrgenommen. Auch unser Weg, hier an einzelnen Trainingstagen auch mit einem Profitrainer wie Alexander Yahmed zusammen zu arbeiten trägt Früchte.
Das kann man sagen. Auch zahlenmäßig ist die Abteilung in den letzten Jahren noch mal deutlich gewachsen.
Wir haben derzeit 50 Erwachsene und sogar 55 Kinder und Jugendliche im Spielbetrieb. Das ist schon eine tolle Zahl. Auch weiterhin ist uns Nachwuchs absolut willkommen. Auch wenn wir natürlich an zentralen Trainingsabenden wie heute fast aus allen Nähten platzen. Da weiß man kaum noch, wo man die vielen Kindern und Jugendlichen mit ganz viel Lust auf Tischtennis noch unterbringen soll. Sie sehen ja selbst wie vollgestellt die Halle hier ist. Das hat ein Einschränkungen im Trainingsbetrieb zur Folge – obwohl sich der Verein nach Kräften müht.
Eine neue Halle wäre das Ziel und der Wunsch auf Sicht?
Der Wunsch schon. Es fehlt in der Gemeinde aufgrund des Zuzugs und der an sich großen Nachfrage gerade der Kids für den Sport eindeutig an Hallenkapazitäten. Wenn man auf die Brunnthaler Ortsmitte blickt und sieht, was da verbaut wird – das hätte wohl auch für eine Dreifach-Halle gereicht.
VON HARALD HETTICH